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1321 // Der Ursprung der Pfarrei

Der Ursprung der Pfarrei Mariä Himmelfahrt liegt nicht am Standort der heutigen Stadtpfarrkirche. In einer Urkunde aus dem Jahr 1321 wird von einer "Höhstetter pharre der alten" gesprochen, die schon historisch im Bereich des heutigen Bahnhofs bzw. der Bahnhofstraße zu finden gewesen sein muss. Denn Höchstädts eigentliche Altstadt lag genau in diesem Bereich.

Erst nach Übernahme der Stadt durch die bayerischen Wittelsbacher wurde die heutige Altstadt als Neustadt planmäßig neu angelegt. Im Rahmen der Neustadt wurde auch eine neue Pfarrkirche errichtet, welche als eine eher bescheidene Anlage erstmals 1361 erwähnt ist.

1372 erwähnt ein weiteres Dokument ausdrücklich die Kirche "Unserer Lieben Frau in der neuen Stadt", welche damals jedoch noch der Pfarrei Steinheim unterstellt war.

Vereinigt wurden die alte Pfarrei (am Bahnhof in der damaligen Altstadt) mit der neuen Pfarrei in der Neustadt (heute Altstadt) erst nach der Reformation 1542. 15 Jahre später - 1557 - wurde die alte Pfarrkirche in der damaligen Altstadt abgerissen.

 
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1442 // Eine neue Kirche für die Neustadt

Nach der ersten bescheidenen Anlage aus dem 14. Jahrhundert begannen die Höchstädter aller Voraussicht nach ab 1442 mit dem Bau der heutigen Himmelfahrtskirche, wie es eine kaum mehr lesbare Inschrift am Kirchenäußeren belegen soll. 

Die alte Anlage schien wohl zu klein geworden zu sein. Die Bauarbeiten am Chorraum dauerten 56 Jahre und wurden möglicherweise durch den selben Baumeister geplant, welcher ab 1444 auch die Donauwörther Pfarrkirche entwarf. Ähnlichkeiten sind zumindest bis heute feststellbar.

Im Jahre 1498 also wurde die Kirche fertiggestellt oder "zur Perfektion gebracht", wie es der Höchstädter Stadtschreiber Johann Jakob Pistorius 1680 ausdrückte.

Nach dem Außenbau musste die Kirche noch eingerichtet werden. Für die Innenarbeiten benötigten die Höchstädter nochmals 25 Jahre bis 1523 - dem Weihejahr unserer Kirche.

 
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1542 // Vorwärts und zurück

Das Hin und Her von Reformation und Gegenreformation hat auch ihre sichtbaren Zeichen in der Höchstädter Stadtpfarrkirche hinterlassen. Höchstädt gehörte damals zum Herzogtum Pfalz-Neuburg und hatte den Glauben seiner Landesherren zu folgen.

Die katholisch gebaute und ausgestattete Kirche musste sich daher bereits wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung einer ersten Reformation unterziehen. 1542 führte Pfalzgraf Ottheinrich in seinem Herzogtum den lutherischen Glauben ein. 1555 musste die ursprüngliche Ausstattung auf Befehl des Pfalzgrafen entfernt und zerstört werden. Knapp 60 Jahre später, 1614 kehrte Herzog Wolfgang Wilhelm zum Katholizismus zurück.

Die Kirche wurde der katholischen Gemeinde dennoch erst 1634 wieder zurückgegeben. Herzogin Anna von Jülich-Kleve-Berg, welche ihrem evangelischem Bekenntnis bis zum Tode 1632 treu blieb, erhielt Höchstädt als Witwensitz zugesprochen. Während dieser Zwischenzeit feierte die Gemeinde ihre Heiligen Messen daher in der Spitalkirche.

Die ursprüngliche Ausstattung der Kirche war zu diesem Zeitpunkt jedoch unwiederbringlich verloren. Lediglich Taufstein und Sakramentshäuschen - beide aus Stein errichtet - blieben bestehen.

Erst ab 1680 wurde eine neue Innenausstattung in die Kirche eingebaut - diesmal im zeitgemäßen Barock (siehe hierzu --> 1695)

 
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1579 // Dem Himmel entgegen

Eine weitere Besonderheit der Kirche ist der 65 Meter hohe, siebenstöckige Turm, welcher das Langschiff überragt und städteplanerisch einen Gegenpol zum Schloss am anderen Ende der Altstadt darstellt.

Die Bauarbeiten an diesem Turm begannen mutmaßlich bereits mit den Bauarbeiten an der Kirche selbst. Wenngleich die genaue Baugeschichte des Turms unbekannt ist, gilt als gesichert, dass in der Zeit von 1576 bis 1579 das charakteristische Achteck (heute mit Uhr, Balkon und Haube inkl. Sonne und Mond) auf den Ursprungsturm aufgesetzt wurde.

Der Turm erfüllte neben seinem Zweck als Glockenstuhl historisch auch noch die Aufgabe der Brandwacht. Im obersten Geschoss sind heute noch mehrere Zimmer vorhanden, die einst als Dienst- und Wohnraum der Nachtwächter fungiert haben dürften. Da die Stadt bis weit ins 19. Jahrhundert im Wesentlichen nur die Altstadt umfasste, konnte von dort nach Bränden und anderen Gefahren Ausschau gehalten werden.

Der Turm wird heute nur noch selten betreten, etwa zum Hissen verschiedener Fahnen oder zum traditionellen Silvestergruß einer Bläserabordnung des Musikvereins Donauklang am 31. Dezember nach der Jahresabschlussmesse.

 
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1695 // Der Barock hält Einzug

Von der originalen, gotischen Inneneinrichtung sind heute nur noch wenige Einrichtungsgegenstände erhalten. Neben dem Taufbecken am linken Rand zum Altarraum gehört das ursprüngliche Sakramentshäuschen links neben dem Hochaltar zur Ursprungseinrichtung.

Im Rahmen einer umfangreichen Kirchenrenovierung von 1680 - 1760 wurden alle Einrichtungsgegenstände neu angeschafft und im zeitgenössischen Barock ausgeführt. Am Sichtbarsten ist hierbei der Hochaltar aus dem Jahr 1695, welcher die Chorhöhe des Altarraums beinahe vollständig ausfüllt. Die Kosten betrugen 3.129 Florin (~ 220.000 EUR ! unbestätigt !). Die Farbgebung Schwarz-Gold wirkt dabei besonders feierlich und ansprechend. Zentrum des Hochaltars ist ein 3 Meter hohes Bildnis von Mariä Himmelfahrt, flankiert durch die Nebenpartrone Petrus und Paulus. Über dem Himmelfahrtsbild ist das kurfürstliche Wappen des Pfalzgrafen Johann Wilhelm angebracht, welcher etwa 1/3 der Baukosten des Altars als damaliger Landesherr übernahm.

Geschmückt ist der Altar zudem mit zahlreichen barocken Engeln, Blumen, Zeptern, Kronen und Fruchtkörben, welche den Reichtum des göttlichen Schatzes an die Menschen darstellen soll.

Ein weiterer zentraler Bestandteil des Hochaltars ist der von J. M. Fischer in den Jahren 1759/1760 geschaffene Rokokotabernakel unterhalb des Himmelfahrtsbildes, welcher mit seinen Attributen Ähre, Traube, Hostie und Kelch das Altargeheimnis symbolisiert.

Ergänzt wird die Altarausstattung durch acht Rokoko-Reliquiare, welche in der höchsten Festzeit - dem Osterfest - unterhalb des Himmelfahrtsbild aufgestellt werden.

 
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1704 // Sichere Entfernung

Ein besonderes Ereignis in der Geschichte unseres Landkreises ist die Schlacht bei Höchstädt-Blindheim am 13. August 1704. Während des spanischen Erbfolgekriegs standen sich dort Truppen mehrerer europäischer Großmächte gegenüber.

In mehrerer Hinsicht ein Glück war die Wahl des Schlachtortes. Die Frontlinien verliefen zwischen Lutzingen, Oberglauheim, Unterglauheim und Blindheim, sodass die Stadt Höchstädt von marodierenden Soldaten verschont wurde.

So überstand auch die Stadtpfarrkirche diesen geschichtsträchtigen Tag aus sicherer Entfernung ohne negative Folgen.

 
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1800 // Glück gehabt

Im wahrsten Sinne "Glück gehabt" hat die Stadtpfarrkirche auch im 19. Jahrhundert (symbolisch hier das Jahr 1800 gewählt). Denn die Mode dieses Jahrhunderts besann sich nach den überladenden Zeiten des Barocks und des Rokoko wieder auf die Gotik zurück - das Zeitalter der Neogotik war gekommen.

Zahlreiche gotische Bauprojekte wurden wieder aufgenommen (z.B. der Kölner Dom 1846) oder vollendet (z.B. der Westturm des Ulmer Münsters 1890). Zugleich wurden die meist aus der Mode gekommenen barocken Inneneinrichtungen aus den Kirchen wieder entfernt und re-gotisiert.

Wir können heute nur spekulieren, warum die Höchstädter Bevölkerung sich der damaligen Mode nicht angeschlossen hat. Im Nachhinein betrachtet hat es sich jedoch als Segen erwiesen - so ist die wertvolle Inneneinrichtung aus dem 17. und 18. Jahrhundert nahezu unverändert bis heute in der Himmelfahrtskirche sichtbar.

 
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1904 // Das Jahr der Anbauten

Eine Kirche bleibt nur selten so, wie sie ursprünglich geplant war. Im Laufe der Zeit werden notwendige oder zeitgenössische Veränderungen an ihr vorgenommen. Auch die Stadtpfarrkirche hat über die Jahrhunderte zahlreiche Anpassungen erfahren. Die letzten großen baulichen Veränderungen erfolgtem im Jahre 1904.

In diesem Jahr wurde nicht nur die Sakristei um ein Stockwerk erweitert, sondern auch zwei Rundtürme an das damals 400 Jahre alte Gotteshaus angebaut. Der eine Turm steht unmittelbar am Kirchturm in der nordöstlichen Ecke und sollte einen Zugang zu diesem von außen ermöglichen. Der andere Turm wurde an der südwestlichen Ecke errichtet und dient als Zugang zur Orgelempore. Die einzelnen Bauwerke wurden dabei so authentisch ausgeführt, dass man die einzelnen Anbauten heute als ganz natürlich zur Kirche gehörend wahrnimmt.

Leider bergen spätere Anbauten auch immer das Risiko eines statischen Ungleichgewichts - immerhin waren Sie ursprünglich nicht vorgesehen. Und so kann man auch bei den 1904er Anbauten unserer Stadtpfarrkirche teils deutliche Risse im Mauerwerk, insbesondere an den Verbindungsstellen zum Kirchenschiff, feststellen. Ob und inwiefern diese Risse für das Gebäude gefährlich werden können wird daher derzeit untersucht. Spezielle Messgeräte zeichnen seit einiger Zeit bereits die Risse und ihre Veränderungen im Jahresverlauf auf und werden uns im Herbst 2019 Aufschluss darüber geben, ob an den Türmen oder der Sakristei weitere Maßnahmen getroffen werden müssen.

 
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1962 // Der letzte große Rundumschlag

Das 19. und 20. Jahrhundert war für Höchstädt geprägt von großen Umwälzungen. Bestand die Stadt bis 1823 im Wesentlichen nur aus der heutigen Altstadt, so entwickelte sich der Ort rasant fort. Dort, wo heute das Bruckwörth, die Ensbach- und Sonderheimer Siedlung stehen, waren bis vor 200 Jahren noch Felder und Feuchtwiesen. Einzelne Mühlen prägten das nähere Umland.

Inmitten dieser Zeit des Wachstums auf die heutige Größe wurden zwei Weltkriege ausgetragen. Die Stadtpfarrkirche büßte durch den letzten der beiden Kriegen ihre Glocken 1943 ein.

Nach Ende des Krieges wurde die Stadtpfarrkirche das bisher letzte Mal großflächig renoviert. 1953 wurden die Glocken durch fünf neue Exemplare aus Euphon-Bronze ersetzt. 1956 bis 1958 folgte eine groß angelegte Außen- und Innenrenovierung. 1962 wurde der Turm erneuert.

 
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1991 // Der Einbau des Volksaltars

Wie zahlreiche Kirchen ihrer Zeit wurde auch die Stadtpfarrkirche ausschließlich mit vom Volk abgewandten Haupt- und Nebenaltären errichtet und genutzt. Dies entsprach dem seinerzeit gängigen - aus dem alten Testament entnommenen - "Opfercharakter" einer Eucharistiefeier, bei welcher ein Priester stellvertretend für das Volk dem Herrn ein Opfer darbrachte.

Durch die während des Zweiten Vatikanischen Konzils entwickelte Instruktion "Inter Oecumenici" aus dem September 1964 wurde im 20. Jahrhundert dann bestimmt, dass künftige Hauptaltäre dem Volke zugewandt sein sollen, um mehr die Abendmahlgemeinschaft sowie die Zentrierung auf Christus als Mittelpunkt der Eucharistiefeier zu fördern. In der Folge wurden - wohl nicht ganz so vom Konzil gewollt - jedoch beinahe jede bereits bestehende Kirche mit einem zusätzlichen Volksaltar versehen.

Diese Volksaltarwelle erreichte 1991 auch Höchstädt, wo im September / Oktober dieses Jahres der Bereich der sogenannten "Kinderbänke" entfernt wurde. Anstelle der Bänke errichtete man einen steinernen Volksaltar mit Ambo und zusätzlicher Erhöhung. Auch die Elektrik des Altarraums wurde auf einen neuen Stand gebracht. Eine vollumfängliche Wartung der Orgel gehörte ebenfalls zum Restaurationsprogramm.